JohannaWasser

Ich bin ein furchtbar ungeduldiger Mensch – und Autorin.

Ich weiß, es klingt etwas widersinnig, vor allem, wenn man selbst Autor ist und weiß, dass in diesem Beruf Geduld eine der wichtigsten Tugenden ist – neben dem Talent natürlich.

In den letzten paar Tagen habe ich zwei Artikel zu dem Thema „Autorenleben, vom Schreiben leben, ein einigermaßen entspanntes Leben“ gelesen. Und wisst ihr was? Das Letztere hat mir am besten gefallen. Heute früh habe ich darauf erst einmal einen Kaffee getrunken, die Spülmaschine und die Waschmaschine angeschmissen und dann an Gestern gedacht.

Nun, entspanntes Leben. Ja, das wäre es. Die nächste Tugend, an der ich auch noch ein bisschen feilen muss. Das Entspannen. Und jaa, ich weiß, das Eine hängt mit dem Anderen zusammen. Aber ich übe, wirklich!

Gestern zum Beispiel war es also wie folgt: Ich bin nach Fulda gefahren. Das ist die nächste größere Stadt hier in der Gegend. Ich hänge gerade zwischen zwei abgeschlossenen und einem bis jetzt nur in meinem Kopf existierenden Projekt herum und dachte, es wäre ganz schön, auch mal in echt ein bisschen rumzuhängen.

Ich habe schon erwähnt, dass ich Autorin bin? Ja nun, schon im Zug, bzw. während ich die Zugfahrkarte löste, betrat meinen Kopf ein unglaublich guter Satz, nach dem ich die ganze Zeit gelechzt hatte. Na klasse, dabei wollte ich nur herumhängen! In Fulda die Seele baumeln lassen.

Gut, ich also in den Zug gestiegen – zum Glück hatte ich mein liebstes Utensil dabei: das Notizbuch. Ich schrieb den Satz auf und fuhr die sieben Minuten bis zum Ort des geplanten Herumhängens. Ich wollte ein bisschen einkaufen. Seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich mir keine Klamotten gegönnt, weil das Schreiben in der Phase, in der ich mich gerade befinde, zu teuer ist, alsdass man einfach mal shoppen geht. Ich investiere lieber sinnvoll. Lektorat, Korrektorat, Cover. Selbst renne ich herum wie der letzte Penner. Entschuldigung an die Penner, mir fällt gerade kein besserer Begriff ein. Und ich schreibe mich ja gerade in Rage, da kann ich nicht nachdenken.

Nun, ich wollte also shoppen. Doch da ich schreibe und gerade ja eben diesen tollen Satz geschrieben habe, ging ich einfach drauflos, ohne zu planen. Wie ich dann stehen blieb und meine Kinnlade ein paar Etagen runterrutschte, weiß ich nicht mehr genau. Ich nehme an, das Schreiben und das Lesen sind artverwandt. Und ich in meinem Rausch ein bisschen ferngesteuert. Selbstverständlich führte mich meine Gedankenlosigkeit geradewegs in eine Buchhandlung! Klar, oder?

Da stand ich also und glotzte. Zum Glück nicht auf einen Stapel sauteurer Hardcoverbücher, die ich in ebendiesem Rausch sonst gekauft hätte. Neeeein, es war viel besser. Postkarten mit einem Mädchen drauf.

Demnächst dürft ihr es kennenlernen. Es ist das Mädchen vom Cover meines Glücksforscherin-Buchs, das seit Wochen nicht fertig werden will.

Ich habe sie gekauft, die Postkarten, meine ich. Alle. Ich nehme an, dass sie mir etwas sagen wollen. Sowas wie: „Geduld ist toll. Aber langsam könntest du ja auch in die Pötte kommen!“

Nun, ich sag mal so: Timing ist alles.

Eure Johanna

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